Das KfW55-Haus ist tot

Das KfW55-Haus ist tot

Gerade einmal gut 4 Monate ist es her, da wurde die Förderung von energieeffizienten Wohnhäusern neu geordnet: Die bereits bekannten KfW-Effizienzhäuser 55 und 40 wurden durch die Klassen „NH“ (Nachhaltigkeit) sowie „EE“ (Erneuerbare Energien) noch attraktiver und so konnten sogar Bauherren, die sich für die wenig energieeffiziente „Massiv-„hausbauweise entschieden, über 26.250 EUR Förderung freuen. Doch zum 01.02.2022 ist dies vorbei: Das KfW55-Haus ist tot.

Welche Häuser sind zukünftig noch förderfähig?

Auch weiterhin förderfähig sind folgende Häuser:

  • KfW-Effizienzhaus 40
  • KfW-Effizienzhaus 40 EE bzw. NH sowie
  • KfW-Effizienzhaus 40 Plus

In diesem Zusammenhang sei jedoch darauf hingewiesen, dass es hinsichtlich der Anforderungen zur Klasse „NH“ noch immer keine klaren Richtlinien gibt. Daher bietet es sich an, sich als Bauherrenfamilie auf die Klassen KfW-Effizienhaus 40 EE oder 40 Plus zu kontrieren.

Warum gibt es keine Förderung mehr für Effizienzhäuser 55?

Die offizielle Begründung lautet wie folgt: Die zur Verfügung stehenden Fördermittel sollen dort eingesetzt werden, wo sie den größtmöglichen Nutzen bieten. Daher ist geplant, die eingesparte Förderung für die Effizienzhäuser 55 zukünftig in Sanierungsprogramme zu stecken. Das ist nur folgerichtig. Warum? Betrachten wir uns hierzu einmal ein „Standard-Haus“, wie es heute von fast allen Stein-auf-Stein-Firmen errichtet wird. Das Haus wird in letzter Zeit meist in Porenbeton in einer Wandstärke von 30 cm errichtet (oft bekannt unter dem Markennamen „Ytong“). Darauf werden dann Außen- und Innenputz aufgebracht – und fertig ist die Wand. Diese Außenwand hat einen sogenannten „Wärmedurchgangskoeffizienten“ (u-Wert) von ca. 0,31 W/m²K (Vergleich Hanse-Haus-Außenwand: 0,13 W/m²K).

Baue ich nun in ein solches Haus z. B. eine Gas-Brennwerttherme mit Solarthermieanlage zur Warmwasserbereitung ein, so ist das Haus grundsätzlich „genehmigungsfähig“ nach dem GEG (Gebäudeenergiegesetz).

Stellen wir uns nun vor, dass ein solches Haus pro Jahr einen sogenannten „Primärenergiebedarf“ von 10.000 kWh haben „darf“. Dann erreichen Sie den KfW-Effizienzhausstandard bereits dann, wenn Sie statt der 10.000 kWh lediglich 5.500 kWh benötigen. Wie also erreichen wir diesen Standard? Ganz einfach: Wir bauen eine Wärmepumpe ein. Denn je kWh eingesetzter Antriebsenergie (Strom) erzielen Sie 4 kWh Wärmeenergie. Das heißt, Sie müssen lediglich 1/4 der oben genannten 10.000 kWh an Strom einsetzen. Allerdings wird Strom mit einer Art „Strafzoll“ belegt, dem Primärenergiefaktor. Und danach sieht die Rechnung wie folgt aus:

10.000 kWh Primärenergiebedarf geteilt durch 4 (wegen des Einsatzes der Wärmepumpe), multipliziert mit dem Primärenergiefaktor 1,8 für den Einsatz der Wärmepumpe. = 4.500 kWh.

Und da diese 4.500 kWh weniger sind als 5.500 kWh, haben Sie plötzlich trotz schlechter Dämmung ein KfW-Effizienzhaus 55 gebaut. Diese Berechnung zeigt also, dass zum Erreichen der Förderfähigkeit alleine schon der Trick mit der Wärmepumpe ausreicht. Zusätzliche Dämmmaßnahmen und Optimierungen an der Gebäudehülle sind nicht erforderlich. So verschenkt man einfach viel Potenzial, und die Förderung verpufft ohne einen nennenswerten (Klima-)effekt. Auch für die Bauherren sind oftmals enttäuscht, wenn sie ihre erste Heizkostenabrechnung erhalten. Denn von einer effektiven Ersparnis kann hier nicht die Rede sein. Warum nicht? Weil der Strom im Schnitt auch um den Faktor 4 teurer ist als das Gas. So wird der Vorteil des Wirkungsgrades der Wärmepumpe pulverisiert.

Der entscheidende Unterschied zu KfW40 und 40 Plus

Um den KfW40-Standard zu erreichen, muss nicht nur das im obigen Beispiel erwähnte Haus statt auf 5.500 kWh Primärenergiebedarf nunmehr auf 4.000 kWh kommen. Es ist darüber hinaus auch ein qualifizierter Nachweis über eine effektive und signifikante Verringerung der sogenannten „Wärmebrücken“ zu führen. Zwar könnte ein Anbieter auch beim KfW40-Haus auf die vom Gesetzgeber erlaubte pauschalisierte Berechnung zurückgreifen. Doch sind diese Pauschalen so großzügig (also schlecht), dass dies durch riesige Dämmpakete in Außenwänden und Dachschrägen ausgeglichen werden müsste. Also wird statt dessen viel Geld auf eine kluge Bauweise gelegt, die eine drastische Reduzierung der Wärmebrücken zum Ziel hat.

All diese Maßnahmen führen dazu, dass die Wärmeverluste durch Wände, Decken und Wärmebrücken alleine schon geringstmöglich ausfallen. Eine effiziente Heizungs- und Lüftungstechnik rundet dann das Gesamtpaket ab, sodass die Heizkosten (und somit die CO2-Emissionen) nicht nur rechnerisch, sondern auch praktisch deutlich sinken.

Daher ist die Entscheidung, zukünftig nur noch KfW40- und 40-Plus-Häuser zu fördern, folgerichtig und nachzuvollziehen. Wir sind gespannt, wie nun die Stein-auf-Stein-Anbieter reagieren werden, welche gerade in den letzten Jahren immer wieder versucht haben, den Bauherren mit dem Argument „zu hohe Kosten“ die hohen Förderklassen auszureden. Denn Tatsache ist folgendes: Bei Hanse Haus fallen sowohl beim KfW40- als auch beim KfW40-Plus-Haus die Förderung höher aus als das initiale Investment. Hinzu kommen deutliche Ersparnisse bei den Energiekosten für Heizung und Warmwasser sowie (beim KfW-40-Plus-Haus) auch der erzielte Stromertrag. Lassen Sie sich also kein „X“ für ein „U“ vormachen!