schneller – höher – weiter?

Sehr gerne realisieren wir für unsere Bauherren auf den individuellen Geschmack abgestimmte Traumhäuser. Die Basis dafür bilden meist unser Online-Planungsformular sowie das Ergebnis eines Planungsgesprächs.

Im Rahmen der daran anschließenden Planung können wir oft ein interessantes Phänomen erkennen: In Anlehnung an die uns gegebenen Daten erstellen wir einen ersten Plan, und sehr oft wird das dabei entstandene Haus als „zu klein“ empfunden. So wächst der Baukörper Schritt für Schritt, von Entwurf zu Entwurf. Vergrößerungen von 20 und mehr Quadratmeter sind dabei keine Seltenheit. Natürlich bauen wir auch diese Häuser sehr gerne. Doch befinden sich unsere Bauherren dabei zunehmend in einem Spannungsfeld zwischen ihren Wünschen und dem eingeplanten Budget. Denn natürlich kostet ein um z. B. 20 m² gewachsenes Haus auch entsprechen mehr. Schnell kommen hier 20.000 bis 25.000 EUR zusammen.

Hausbauplanung ist keine Momentaufnahme

Natürlich sollten Eckdaten wie die benötigten Arbeits- oder Gästezimmer sowie die Anzahl der Kinderzimmer stets berücksichtigt bleiben. Wenn die Familie aus 2 Eltern und 2 Kindern besteht, dann sollten auch zwei Kinderzimmer eingeplant werden. Doch unsere kleinen Kinder werden schneller groß als wir es uns ausmalen (und oftmals auch wünschen). Eher als gedacht werden die Kinder flügge und verlassen das Elternhaus, um auf eigenen Beinen zu stehen. Nun beginnt der zweite Lebensabschnitt des Hauses: Die ursprünglich einmal aus 4 Köpfen bestehende Familie verkleinert sich schrittweise. Schließlich und endlich werden die meisten Häuser irgendwann nur noch von 2 Personen bewohnt. Doch das Haus bleibt so groß wie es ursprünglich einmal gebaut wurde. Dies sollte in die Planung und Überlegungen mit einfließen.

Der Zeithorizont

Stellen wir uns vor, Uwe und Petra Wohntraum haben nach Gründung ihrer kleinen Familie mit 2 Kindern den Wunsch, ein eigenes Haus zu bauen. Schnell ist die Onlineplanung ausgefüllt, in welcher wir dann lesen: „Im Dachgeschoss wünschen wir uns ein Schlafzimmer mit Ankleide, ein Elternbad, ein Kinder-Duschbad sowie 2 Kinderzimmer“. Daraus entsteht dann eine Planung in etwa mit folgenden Größen:

2 Kinderzimmer á 15 m²
1 Kinderduschbad mit 7 m²
1 Schlafzimmer mit 12 m²
1 Ankleide mit 7 m²
1 Elternbad mit 10 m²

In der Gesamtsumme entsteht somit im Dachgeschoss ein Flächenbedarf von 66 m². Berücksichtigen wir die gleiche Fläche im Erdgeschoss zuzüglich Diele, Flure und Treppenhaus, so ergibt sich nun eine Gesamtwohnfläche von ca. 145 bis 150 m².

In der nun anschließenden Anpassungsphase wächst diese Dachgeschoss-Fläche bedingt durch die Wünsche der Bauherren immer wieder auf deutlich über 70, ja sogar auf über 80 m² an. Diese Fläche spiegelt sich natürlich 1:1 auch im Erdgeschoss wider. Und somit wächst die Gesamtfläche nicht um 14 m², sondern um 28 m².

Was jedoch oft vergessen wird:

  1. Bis zu einem Alter von erfahrungsgemäß 7 bis 10 Lebensjahren möchten die Kinder lieber bei den Eltern die Zähne putzen. Und meist baden Kinder auch lieber als dass sie duschen. Doch die Badewanne steht nun einmal im Elternbad. Damit verringert sich der Zeitraum der Nutzung des Kinderbades auf rund 8 bis 10 Jahre – danach nämlich sind die Kinder meist aus dem Haus. Einen wirklichen Nutzwert bietet dieses Bad lediglich dann, wenn Ihre Kinder Teenager sind (doch wo hätten Sie liebe Bauherrinnen als Teenager lieber Ihre Zeit verbracht: Im großzügigen Vollbad oder im kleinen Kinderbad?).
  2. Ziehen die Kinder aus, stehen neben dem Kinderbad auch 2 große Kinderzimmer leer. Von den ursprünglich einmal 80 genutzten Quadratmetern im Dachgeschoss wird nur noch rund die Hälfte (nämlich das Elternschlafzimmer nebst Ankleide sowie das Hauptbad) genutzt.
  3. Auch im Erdgeschoss wohnen und leben lediglich noch 2 Personen – und zwar auf 80 m² Fläche. Das Haus wird vielen Menschen nun zu groß – denn es will weiter beheizt und gereinigt werden.

Planen Sie klug für heute, morgen und übermorgen

Schiere Größe ist nicht alles! Oftmals sind kleinere aber klug geplante Räume besser nutzbar als große aber nicht so clever geplante. Kleine Nischen schaffen Stauraum, Türen sollten so geplant werden, dass hinter ihnen noch ein Schrank platziert werden kann. Dann können „kleine“ 13 bis 15 m² schnell großzügiger erscheinen als 18 schlecht geplante Quadratmeter.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Hausbauplanung Ihren gesamten Lebenszyklus – und den Ihres Hauses. Denn letztendlich wünscht sich fast jede Bauherrenfamilie, im eigenen Haus alt werden zu dürfen. Werden Sie in den vielleicht weiteren 30, 40 oder gar 50 Jahren im eigenen Haus nach dem Auszug der Kinder das ursprüngliche Kinderbad noch nutzen? Und wenn nein: Ist es dann erforderlich, wenn die reine Nutzungsdauer dieses Bades lediglich 8 bis 10 Jahre betrug (und das Bad halt nur genutzt wurde, weil es halt da war)? War dieser Zeitraum das Mehr-Investment von deutlich über 10.000 EUR wert?

Sprechen Sie mit uns offen und ehrlich über Ihr Gesamtbudget

Dieses Budget umfasst neben den reinen Baukosten auch die Bauneben- sowie die Grundstückskosten. Und wenn das Haus durch eine kluge Planung vielleicht nicht allzu groß ausfällt, bleibt vielleicht mehr Geld für ein paar Extrawünsche oder ein besser gelegenes Grundstück. Gerade in Zeiten stark gestiegener Grundstückspreise zählt auch jeder nicht zugebaute Quadratmeter Grundstücksfläche.

Spätestens hier schließt sich der Kreis zu unserem Credo: Bauen ist zu 95% Kommunikation.