Sprechen wir einmal über Qualität

In vielen Gesprächen mit Bauinteressenten stellen wir immer wieder fest, dass noch immer erhebliche Vorbehalte gegenüber Fertighäusern bestehen. Und während z. B. in Baden-Württemberg fast jedes dritte Haus bereits in dieser modernen Bauweise errichtet wird, liegt der Marktanteil hier oben in Norddeutschland noch immer bei weit unter 10 %. Dabei gibt es sehr gute Gründe für ein Fertighaus. Betrachten wir es doch einmal ganz pragmatisch und sprechen wir über Wärmedämmung und die daraus resultierenden Energiekosten:

Heutzutage müssen alle Häuser hoch dicht gebaut werden. Ein so genannter Blower-door-Test zeigt schließlich auf, ob dieses Ziel erreicht wurde. Jede Undichtigkeit und jede Wärmebrücke führt letztendlich zu erhöhten Heizkosten und birgt das Risiko von Bauschäden z. B. durch das Eindringen von Feuchtigkeit in die Wandkonstruktion in sich. Dass bei der kleinteiligen Bauweise der “Stein-auf-Stein”-Lösung die Gefahr von Undichtigkeiten und Wärmebrücken deutlich höher ist als bei Großtafelbauweise moderner Fertighäuser bedarf da sicher keiner Erklärung. Doch das ist noch lange nicht alles. Auf dem im Juni 2019 aufgenommenen Bild ist gut zu erkennen, wie man heutzutage versucht, die bauartbedingten Nachteile dieser kleinteiligen Bauweise zu eliminieren: Man klebt einfach auf die Rohbauwand einen Dämmstreifen aus XPS. Schön zu erkennen sind die Schaumreste im Bereich des Sturzes. Schon alleine durch die nicht hunderprozentige Gleichmäßigkeit der gemauerten Wand entstehen Wärmebrücken zwischen der Wand und dem XPS. Die Fenster werden gleichwohl in die gemauerte Wand eingesetzt und der Rest der Fassade später mit anderen Dämmstoffen (in der Regel EPS) abgedämmt. Ein ganz schönes Flickwerk! Und genau dieses Flickwerk ist nicht ohne Gefahr. Denn XPS und EPS haben unterschiedliche Strukturen und Härten. Dort wo sie aneinander stoßen, besteht die Gefahr der Rissbildung im Putz in den nächsten Jahren.

Doch das ist noch nicht alles. Bei dem Bauvorhaben auf dem Foto wird zur Optimierung der Dämmung der Außenwand auf den Baustoff Porenbeton (bekannt unter dem Markennamen “Ytong”) gesetzt. Dieser “Stein” ist sehr leicht und weich und hat sehr gute Wärmedämmeigenschaften. Das erkauft man sich übrigens damit, dass in dieser Wand die Montage schwererer Gegenstände nur mittels Spezialdübeln möglich ist. Diese Wand weist eine deutlich geringere Tragfähigkeit auf als z. B. eine Hanse-Haus-Wand. Von einem “Massivhaus” sollte man hier wirklich nicht mehr sprechen. Doch noch viel dramatischer: Oberhalb der Fenster ist ein dicker Betonstreifen erkennbar. Dies ist die Stirnseite der Erdgeschossdecke, und diese besteht nun einmal aus massivem Beton. Genau dieser Baustoff wiederum hat deutlich schlechtere Wärmedämmeigenschaften als der Porenbeton der Außenwand. Auch wenn nun noch eine Schicht Wärmedämmung von außen aufgebracht wird: Hier entsteht wiederum eine Wärmebrücke. Zwar hat man jetzt die Dämmung in den Wänden im Rahmen des bei Stein-auf-Stein-Bauweise möglichen optimiert, stößt jedoch im Bereich des Übergangs zur Decke auf erhebliche Hindernisse.

Systembedingt wird es in absehbarer Zeit nicht möglich sein, hier die Überlegenheit des Fertigbausystems auch nur annähernd zu erreichen.

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