Was steckt hinter der Preisexplosion in der Baubranche?

Was steckt hinter der Preisexplosion in der Baubranche?

Seit einigen Wochen wird in diversen Medien über Rohstoffknappheit und teils massive Preiserhöhungen bei Baustoffen berichtet. Was steckt dahinter? Heute bringen wir ein wenig Licht ins Dunkel und beleuchten die sich aus der Entwicklung ergebenden Folgen.

Vorab: Wie so oft gibt es „den einen Schuldigen“ auch hier nicht. Hier kommt eine Vielzahl von Entwicklungen zusammen, die noch nicht einmal etwas miteinander zu tun haben.

Weltweite Verwerfungen rund um den Baustoff Holz

Wer glaubt, dass in Europa abgeholztes Nadelholz auch überwiegend in Europa verwendet wird, der irrt. Seit geraumer Zeit geht ein großer Anteil des Holzes in die USA. Warum? Hierfür gibt es zwei Hauptgründe: Zum einen haben die USA im Jahr 2017 Zölle auf Holzimporte aus Kanada eingeführt. Dies hat die Holzpreise um über 20 % erhöht. Darüber hinaus haben die verheerenden Waldbrände in Kalifornien die eigene Versorgungslage verschärft, sodass sich die Importeure auf den Weltmärkten umschauten – und in Europa fündig wurden. Große Menge gehen daher zu exorbitant hohen Preisen nach Übersee. Ein weiterer großer Abnehmer ist die Volksrepublik China. Diese Entwicklung begann mit der Verbreitung des Borkenkäfers in Europa, der die Holzbauern dazu zwang, mehr Bäume zu fällen als eigentlich verwertbar waren. Hier tat sich mit dem Reich der Mitte ein neuer Markt auf. Mittlerweile geht rund 1/4 aller Exporte nach China.

Heimwerkerboom durch Corona

Wer durch die Eigenheimsiedlung spaziert, kann feststellen: Kaum ein Garten, in dem nicht gewerkelt wird. Es entstehen Gartenhäusern, Spielhäuser, Wintergärten, Grillhütten und vieles mehr. Und so steigt parallel auch die Nachfrage nach Holzprodukten in den Baumärkten.

„Milchbauerneffekt“

Wir erinnern uns, dass seit Jahren die Milchbauern für höhere Erzeugerpreise auf die Straße gehen und teilweise aus Protest die Rohmilch in die Kanalisation kippen. Einen ähnlichen Effekt haben wir nun auch beim Holz. Denn während im Export aktuell doppelt so hohe Preise erzielt werden als noch vor ein paar Monaten, erhalten die Holzbauern deutlich weniger. Das motiviert natürlich nicht gerade dazu, die tatsächlich benötigte Menge für ein Marktgleichgewicht abzuholzen (was tatsächlich möglich wäre). Und so bleibt das Holz im Wald.

Die Krise zieht weitere Kreise

Doch nicht nur Holz wird deutlich teurer. Von dieser Entwicklung sind de facto alle Hausbaugewerke betroffen: Es herrscht Dämmstoffknappheit (teilweise coronabedingt, weil viele Produktionsstätte im Ausland liegen), und auch Sand und weitere Baustoffe sind deutlich teurer geworden. So ist es nur folgerichtig, dass tatsächlich alle in diesem Segment tätigen Unternehmen (egal ob Stein-auf-Stein-Bauer oder Fertighausanbieter) gleichermaßen von der Entwicklung betroffen sind.

Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung konkret für die einzelnen Bauherren?

Bringen wir es auf den Punkt: Preiserhöhungen sind aktuell unvermeidlich. Und diese Erhöhungen fallen empfindlich aus. In der Branche spricht man über Steigerung von bis zu 12 %. Doch man muss auch feststellen: Die Situation ist volatil, ja dynamisch. Das bringt einige Unternehmen sogar dazu, ihre Vertragsbedingungen mit Preisgleitklauseln zu versehen. Hier gilt es für die Bauherren: Genau hinschauen! Wer einer solchen Klausel zustimmt, weiß heute nicht, was am Ende für das Haus zu bezahlen ist! Auch kann die Situation zu Bauzeitverzögerungen führen. Denn wenn kein Dämmstoff für die Bodenplatte auf dem Markt ist, kann man keine Fundamente gießen – und somit auch kein Haus bauen.

Eine weitere Entwicklung ist zu beobachten: Gerade kleine Unternehmen sehen sich zunehmend außerstande, überhaupt noch Bauvorhaben zu beginnen. Erste Aufträge werden auftragnehmerseitig gekündigt und neue Aufträge sogar abgelehnt. Sollte diese Situation länger anhalten, steht zu befürchten, dass der Entwicklung verschiedene kleinere Anbieter zum Opfer fallen.

Für Hanse-Haus-Bauherren gilt: Festpreis ist Festpreis und Vertrag ist Vertrag! Die ABG wurden nicht geändert, Preisgleitklauseln wurden nicht eingeführt. Auch können wir zur Zeit keine Gefährdung der Liefertermine erkennen, die terminierten Bauvorhaben werden aktuell pünktlich ausgeliefert. Rechtzeitig wurden einzelne Lieferanten mit Lieferproblemen durch solche ausgetauscht, welche ihren Verpflichtungen nachkommen können. Für Aufträge, welche z. B. unter dem Vorbehalt abgeschlossen wurden, dass sie erst nach Kauf eines geeigneten Grundstücks rechtswirksam werden, gilt jedoch: Hanse Haus hat das Recht, die Aufträge nach 6 Monaten zu kündigen, wenn der Vorbehalt bis dahin nicht ausgeräumt werden konnte. Doch auch diese Regelung gilt nur für neue Aufträge, welche ab sofort abgeschlossen werden.

Unser Fazit

Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig ein wirtschaftlich starker Partner ist. Ein Partner, welcher solche Verwerfungen auffangen kann und dessen Festpreisgarantie Bestand hat. Die Regeln des Marktes werden mittelfristig auch hier greifen und auf kurz oder lang wird nach unserer Einschätzung auch hier ein Marktgleichgewicht eintreten. Die USA haben die vorgenannten Zölle bereits im Jahr 2020 wieder deutlich reduziert. Ob dieses Gleichgewicht jedoch bereits in wenigen Wochen oder aber erst in mehreren Monaten erreicht wird, lässt sich aktuell nicht vorhersagen. Wovon wir jedoch sicher ausgehen: Die nun erforderlich gewordenen Preiserhöhungen werden nicht rückgängig gemacht werden können.

Teilen und Folgen ist jetzt ganz einfach
Pin Share
YouTube
YouTube
Instagram
Follow by Email