Von Tipp-Ex und Massivhäusern

Von Tipp-Ex und Massivhäusern

Wir schreiben das Jahr 1981. Ein junger Mann besucht in seiner Geburtsstadt einen Schreibmaschinenkurs. Er sitzt in einer Reihe mit vielen weiteren Probanden und lernt nach und nach die Buchstabenfolge kennen. Und immer wenn er sich vertippt hat, muss er von vorne beginnen. Später – nachdem der Kurs absolviert war – wird der neue Versuch durch Tipp-Ex ersetzt: Ein kleines Plättchen, einseitig mit einer dünnen Farbschicht versehen – wird zwischen Farbband und Papier gehalten und der falsche Buchstabe noch einmal getippt. Dadurch „wird er weiß“, und der Fehler kann übertippt werden. Das war geübte Praxis über Jahrzehnte. Einige Jahre später wurde die mechanische durch die elektrische Schreibmaschine ersetzt, kurze Zeit danach verfügten diese Maschinen über einen Speicher: Bevor der Druckauftrag ausgelöst wurde, konnte noch einmal Korrektur gelesen werden. Heute wiederum sind Schreibmaschinen ein Relikt aus der Vergangenheit und die „Del“-Taste hat das Tipp-Ex verdrängt. Und genau dieser junge Mann schreibt jetzt auf einem PC an diesem Artikel.

Was mit der Schreibmaschine und dem Tipp-Ex geschehen ist, widerfährt immer und immer wieder Produkten, die überflüssig werden oder durch bessere ersetzt werden: Diskettenlaufwerke, Ölheizungen, Pferdedroschken…

Sagen Sie mal, warum soll ich eigentlich ein Fertighaus bauen und nicht Stein auf Stein?

Gerade in Norddeutschland wird  uns diese Frage häufig gestellt. Denn hier liegt der Marktanteil moderner Fertighäuser unter 10 %, während im Süden der Republik bereits jedes dritte Haus auf diese Weise entsteht. Und wir stellen uns die Frage: Würde heute jemand die Chefin fragen, ob der Brief nicht auch auf der mechanischen Schreibmaschine getippt werden kann? Denn genau das ist der Punkt: Die moderne Fertighausbauweise ist dem klassischen Stein-auf-Stein-Haus in fast allen Belangen um Längen überlegen: Wer den Effizienzhausstandard eines Hanse Hauses erreichen möchte, muss bei einer Entscheidung für die kleinteilige und fehleranfällige Bauweise auf Porenbeton ausweichen – einen Baustoff, aus dem auch Katzenstreu hergestellt ist. Und naturgemäß muss diese Füllung für die Toilette der Vierbeiner eine ganz besondere Eigenschaft haben: Sie muss saugfähig sein. Genau deshalb jedoch muss jede einzelne Lage einer gemauerten Porenbeton-Wand mit einer sogenannten Dichtschlämme versehen werden – bevor die Feuchtigkeit eindringen kann. Schauen Sie einmal selbst auf den Baustellen, wo dies regelmäßig und vor allem fehlerfrei ausgeführt wird. Sie werden erstaunt sein! Davon, dass bei dieser fehleranfälligen Bauweise oft die rechnerisch ermittelten Energiebedarfe erheblich von den praktischen Werten abweichen, wollen wir hier gar nicht reden. Wer jedoch einmal gesehen hat, wie oftmals die Fenster in die Außenwände eingesetzt werden gewinnt auch hier einen Eindruck von der Realität.

Die richtige Frage: Warum sollte ich Stein auf Stein bauen, wo es doch die moderne und bei weitem weniger fehleranfällige Fertighausbauweise gibt?

Wer heute plant ein Eigenheim zu bauen, hat folgende Erwartungen:

  • planbare Bauzeit;
  • alle Gewerke aus einer Hand;
  • Kalkulationssicherheit und Festpreisgarantie;
  • möglichst fehlerfreie Bauweise;
  • hohe Energieeffizienz, wenig Betriebskosten und hohe staatliche Förderung.

All diese Punkte können moderne Fertighäuser quasi „aus dem Stand“ erfüllen. Sie haben die Stein-auf-Stein-Bauweise hinsichtlich Qualität, Güteüberwachung und Energieeffizienz schon vor geraumer Zeit überholt. Wer sich also mit dem Gedanken des Eigenheimbaus trägt, sollte heute die Frage anders formulieren: „Warum sollte ich heute noch ein Stein-auf-Stein-Haus bauen, ich habe ja schließlich auch kein Tipp-Ex mehr zu Hause?“.

 

Teilen und Folgen ist jetzt ganz einfach
Pin Share
YouTube
YouTube
Instagram
Follow by Email